Archiv der Kategorie ‘Das Entschuldungsbündnis‘

 
 

Bündnisratssitzung in Leipzig

Am 10. und 11. Februar 2010 traf sich der Bündnisrat von erlassjahr.de im verschneiten Leipzig. Zwei Tage lang wurde intensiv geplant und über die Umsetzung der Beschlüsse der Mitträgerversammlung diskutiert. Im Zentrum standen die aufkommenden Aktionen, die interne Bündnisarbeit und die längerfristigen Perspektiven des Fairen und transparenten Schiedsverfahrens (FTAP). Die Wahl des neuen Lenkungskreises brachte ein neues Mitglied: Mit dabei ist Christoph Fuhrbach vom Bistum Speyer. Neu ist auch die Campaignerin von erlassjahr.de, Jana Zwernemann. Hier geht’s zur aktuellen Besetzung im Büro und in den Gremien.

Vielen Dank an Antje Queck vom Evangelisch – Lutherischen Missionswerk Leipzig für die Gastfreundschaft.

Der neue Lenkungskreis von erlassjahr.de

Chaos im Büro

Gestern führte mich mein Weg wieder nach Düsseldorf ins erlassjahr Büro. Der Grund war keine Bündnisratssitzung oder andere inhaltliche Arbeit, sondern der Umzug von erlassjahr innerhalb des Jugendhauses. Von daher ist “Chaos im Büro” natürlich nur das übliche Umzugschaos und nicht etwa ein inhaltliches. Hier nun einige Impressionen dieses Tages:
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Neue Wimpel lieferbar

Nachdem unsere Bestände an Wimpeln zur Kampagne 2009 in den letzten Wochen ausverkauft waren und man auf Klappkarten umsteigen musste, ist nun eine neue Lieferung an Wimpeln im Büro angekommen, die damit nun auch bestellt werden können.

Und auch sonst gibt es weitere Neuerungen im Online-Shop: Die Flyer zur Kampagne sind nun auch in Englisch verfügbar. Ebenfalls auf Englisch (und nur auf Englisch) ist die Studie von der Friedrich-Ebert-Stiftung, Südwind und erlassjahr zur neuen Schuldenkrise, über die hier ja auch schon berichtet wurde.

erlassjahr.de bei McPlanet

„Möchtest du nicht noch einen unserer wunderschönen Wimpel unterzeichnen..” so begannen am Wochenende für uns viele, viele Gespräche am erlassjahr.de Stand – mit einem Erfolg der sich sehen lassen kann: Rund 200 Wimpel wurden unterzeichnet zurück aus der Bundeshauptstadt ins Büro nach Düsseldorf gebracht. Über 1.000 Teilnehmer zog es nämlich am Wochenende zum Kongress McPlanet, der an der Technischen Universität Berlin stattfand. Neben dem Stand auf dem „Basar der Möglichkeiten” konnten wir die Schulden-Thematik auch noch in zwei Workshops darstellen. Aber der Reihe nach…

ej-stand-mcplanetFür mich begann das McPlanet Wochenende am Freitag ziemlich unglücklich, was aber nicht weiter ausgeführt werden muss – ich sage nur: Vergessene Bahncard und ein Notfalleinsatz, der die Bahn 50 Minuten später eintreffen lies. Nun gut, dann wurde es in Berlin eben etwas stressiger, aber nicht wirklich problematisch. Um etwa 17 Uhr konnte so per Twitter die freudige Meldung eines aufgebauten erlassjahr.de Standes mitgeteilt werden. Und dann trudelten die Besucher des Konkresses eher langsam ein, so dass der oben genannte Satz am ersten Abend nur selten zum Einsatz kam. Aber auch anderes musste erst erprobt werden – insbesondere der Weg und Angebot der Volksküche (VoKü) im Vergleich zu dem nahestehenden veganen Verkaufsstand und auch die Tatsache, dass beim Getränkeverkauf nicht alles perfekt lief. Eine Tatsache, die auch am nächsten Morgen wieder aufkommen sollte, als Kaffee dringend notwendig war.

Dennoch konnte man am Abend bereits die erste Erkenntnis ziehen, die sich an den nächsten Tagen fortsetzen sollte: McPlanet Besucher sind sehr konsequent im Besuchen der angebotenen Panels, Workshops und Foren, denn während der entsprechenden Zeitfenster konnte man sich im Basar der Möglichkeiten genüsslich zurücklehnen, die kostenlosen Ausgaben der TAZ, des Freitag oder der jungen Welt lesen oder im Internet surfen. Es gab zwar immer wieder Besucher, aber oft war es eher ruhig. Sobald sich die Veranstaltungen aber dem Ende zuneigten waren wieder vermehrt Leute unterwegs.

Wobei ich zugeben muss: Samstag am Hauptaktionstag war ich oft selber unterwegs. Morgens hatte ich mir für eine kleine Stadtführung durch die Lobbyisten-Standorte Berlins frei genommen und Nachmittags stand unser erster Workshop an. Unter dem Motto „Die letzten beißen die Hunde” präsentierten wir zusammen mit dem EED die Folgen der aktuellen Krise auf Entwicklungsländer, insbesondere auf deren Schuldensituation. Jürgen Kaiser (erlassjahr.de) übernahm dabei zunächst eine generelle Einführung in das Thema, die von Jerry Kwo (EED) schließlich am Beispiel Kameruns etwas anschaulicher mit Zahlen belegt wurde.

Die Dateien der Präsentation kann man sich hier herunterladen, aber um es vielleicht kurz auf den Punkt zu bringen, gibt es vier direkte Folgen für die Entwicklungsländer aufgrund der Krise:

  1. Nachfragerückgang für Exporte
  2. Einbruch bei der Entwicklungshilfe
  3. Reduzierte Überweisungen von Migrant/innen
  4. Kreditverteuerung aufgrund der Nachfrage in den reichen Ländern

Für Kamerun direkt bedeutete erstes beispielsweise einen enormen Wegfall in der Holz-Nachfrage, über 10.000 Menschen verloren hier bereits ihre Arbeit.

ej-workshop-mcplanetNun gut, aber um den Bericht mal weiterzuführen sei noch angemerkt, dass wir zum einen von dem großen Interesse an diesem Thema überrascht waren: Fast 50 Personen besuchten den Workshop und füllten damit den Raum bis auf den letzten Platz. Und auch die anschließende Diskussion war sehr interessant, auch wenn oft natürlich generelle Fragen zur Schuldenproblematik aufkamen konnte so das Thema ausführlich und genau beschrieben werden. Andererseits wurde dies aber auch an anderer Stelle deutlich: An der Geduld und Nachsichigkeit der Besucher. Technische Probleme zu Beginn wurden lächelnd hingenommen, sogar mit dem Angebot zu helfen – „Ich frage mal in den Nachbarräumen nach einem Verlängerungskabel” – man merkt eben, dass McPlanet keine Konferenz ist, bei der es um Perfektion geht, sondern bei der die Themen und das (zwischenmenschliche) Klima doch wichtiger ist. Man kämpft eben gemeinsam für eine bessere Welt.

Am Samstag hatten wir im übrigen auch die gewünschte 100ste Unterschrift auf unseren Wimpeln zusammen und gegen abend 5 Ketten vollständig und eine weitere weit fortgeschritten auf dem Tisch liegen gelassen über Nacht.

Und wie auch am Morgen vorher fand ich auch am Sonntag morgen einige weitere Unterschriften mehr auf dieser vor. Die Zeit sich darüber zu freuen war aber doch etwas knapp, denn in wenigen Minuten sollte der zweite erlassjahr.de Workshop stattfinden. Das Thema eines Internationalen Insolvenzverfahrens stand an und so wurde nur schnell eine Tüte mit Informationsmaterial zusammengesammelt und hinüber in das andere Gebäude geeilt. Die Hoffnung wieder einen solchen Ansturm wie am Vortag zu erreichen war angesichts der Uhrzeit von 9 Uhr und einigen starken Konkurrrenten etwas gedämpft und – um es kurz zu machen – war es in der Tat so, dass nur eine Handvoll Leute den Workshop besuchten. Einen Grund enttäuscht zu sein bot sich damit aber nicht, denn nichts desto trotz gab es eine interessante und ausgiebige Diskussion, die durch unseren Film „Schulden im Sinne der Anklage” angeregt wurden. Wer diesen nicht kennt, kann ihn sich hier direkt im Browser angucken oder auch im Shop bestellen:

Anschließend war McPlanet fast gelaufen. Björn und ich hielten noch bis ca. 13 Uhr die Stellung und füllten noch die ein oder andere Wimpelkette – auf dass wir bei der Präsentation in Berlin wirklich die längste der Welt erreichen – bevor wir wie unsere Standnachbarn ringsherum auch das Material zusammenpackten und den Kongress wieder verließen.

Das Fazit dieser drei Tage ist – neben einiger Anstrengung – durchweg positiv. Das muss man nicht nur an den fast 200 Unterschriften festmachen oder den Teilnehmern an unseren Workshops, sondern allgemein am Bekanntheitsgrad, der sicherlich in dieser Zielgruppe nochmal gesteigert wurde. Es gab die ein oder andere Frage nach Praktika und durch viele Gespräche ist die Schuldenproblematik der Entwicklungsländer für viele zusätzlich präsent geworden.

Links zu den Workshops und weiteres findet sich in diesem Beitrag.

Links zu McPlanet

Im folgenden soll noch eine Liste von verschiedenen Downloads und weiterführenden Seiten den Bericht des diesjährigen McPlanet abrunden, damit Besucher unserer Workshops, des Infostandes oder allgemein interessierte dies nochmal Revue passieren lassen oder vertiefen können:

Zur Kampagne

Informationsseite zur Kampagne
Hier online unterzeichnen

Zum Workshop „Die Letzten beißen die Hunde”

Zum Workshop für ein Internationales Insolvenzverfahren

Allgemein

Erste Wimpel unterschrieben

2585_59042083726_25137293726_1618713_1845305_nAm vergangenen Wochenende haben bereits die ersten Mitträger die Wimpel für ein Internationales Insolvenzverfahren bei verschiedenen Aktionen unterzeichnen lassen. Dutzende unterschriebene Karten und Wimpel sind auch bereits im erlassjahr.de Büro in Düsseldorf eingetroffen – und jeden Tag kommen ein paar dazu! Auf dem Bild ist die Regenbogenwerkstatt in Dorsten zu sehen. Auch dort wurden schon eifrig Wimpel unterzeichnet. Mehr Fotos gibt es auch auf unserer Facebook-Seite zu sehen, dort kann man auch ‘Fan’ von erlassjahr.de werden!

Inzwischen können die Wimpel auch direkt im Internet unterschrieben werden. Infos dazu gibt es auf unserer Kampagnen-Seite. Und erlassjahr.de Mitträger können zusätzliche Informationen zur Kampagne auf dieser Seite herunterladen.

Der offizielle Auftakt der Kampagne 2009, die unter dem Motto ‘Mit Schulden fair verfahren – Damit nicht die Armen die Krise bezahlen’ läuft, findet diesen Donnerstag (26.3.) um 11 Uhr vor dem Domforum am Kölner Dom statt. Kommen Sie doch vorbei und unterschreiben einen Wimpel!

erlassjahr.de im Radio

Während er sich während der UN-Entwicklungsfinanzierungskonferenz in Doha für ein Internationales Insolvenzverfahren einsetzte, hatte erlassjahr.de Koordinator Jürgen Kaiser auch noch Zeit der Deutschen Welle ein kurzes Interview zum Thema Verschuldung der Entwicklungsländer zu geben. Der Radiobeitrag kann nun auf der Homepage der Deutschen Welle angehört werden. Den direkten Link zum MP3-Download gibt es hier.

Neues Handbuch “Illegitime Schulden 2″ erschienen

Ganz aktuell findet sich in unserem neuen erlassjahr.de Shop das das Handbuch Illegitime Schulden 2. In ihm ist die aktuelle Diskussion zu illegitimen Schulden auf deutscher und internationaler Ebene zusammengefasst. Zudem finden sich zahlreiche Fallbeispiele in dem 64 Seiten dicken Buch. Ein Abschlusskapitel gibt zudem praktische Tipps zur Kampagnenarbeit zum Thema. Das Buch kann ab sofort für 2,50 Euro hier bestellt werden.

UN wieder mit in der Diskussion um Welt-Finanzarchitektur

Die UN-Entwicklungsfinanzierungskonferenz in Doha ist zu Ende und die Anwesenden konnten sich dann doch noch auf eine gemeinsame Abschlusserklärung (hier in englischer Sprache nachlesen) einigen, die vielerorts als ‘Minimal-Konsens‘ bezeichnet wird. erlassjahr.de sieht für den eigen Themenbereich hingegen durchaus Fortschritte. “Dass die Reform der globalen Finanzarchitektur nicht allein in den Händen der G20, sondern aller UN-Staaten liegen wird, ist ein positives Zeichen aus Doha”, sagte Koordinator Jürgen Kaiser. Die komplette erlassjahr.de Presseerklärung zur Konferenz können Sie hier nachlesen. Auf unserer Homepage gibt es auch ein paar Fotos aus Doha.

In Bezug auf das von uns geforderte Internationale Insolvenzverfahren hat in deutlich abgeschwächter Form Eingang in das Abschlussdokument gefunden:

46. We acknowledge the need to address all relevant issues regarding external debt problems, including through the United Nations, and we will consider ways to explore enhanced forms of sovereign debt restructuring mechanisms based on existing framework and principles, with broad creditors’ and debtors’ participation and ensuring comparable burden-sharing among creditors, with an important role for the Bretton Woods institutions.

erlassjahr.de wird sich im kommenden Jahr verstärkt für die Einführung eines ‘echten’ Internationalen Insolvenzverfahrens einsetzen. Den Worten aus Doha müssen nun auch konkrete Taten folgen.

Zur Schuldenspirale verdammt? Ein Kommentar in der taz

In der heutigen Ausgabe der Tageszeitung taz findet sich auf Seite 12 ein Kommentar von erlassjahr.de Koordinator Jürgen Kaiser. Unter der Überschrift “Zur Schuldenspirale verdammt?” erläutert er vor dem Hintergrund der derzeitigen Entwicklungsfinanzierungskonferenz in Doha die Notwendigkeit eines Internationalen Insolvenzverfahrens:

Nicht die armen Länder haben die aktuelle Krise der Finanzmärkte verschuldet. Aber gerade sie wird es am härtesten treffen. Denn die Nachfrage nach Gütern, dank deren so unterschiedliche Länder wie Sambia und Argentinien in den letzten fünf Jahren so hohe Wachstumsraten erzielt haben, wird zurückgehen – und die Kredite, auf die gerade diese Länder weiterhin angewiesen sind, werden teurer.

Nicht wenig erinnert an die Zeit um 1982. Damals waren zunächst Mexiko und dann weitere Länder in Lateinamerika, Asien und Afrika zahlungsunfähig geworden. Sie hatten sich in den Jahren zuvor bei westlichen Banken und Regierungen hoch verschuldet, um Entwicklung (und manches andere) zu finanzieren. Als sich die Zinsen an den Finanzmärkten infolge der Reaganschen Aufrüstungspolitik innerhalb von 24 Monaten verfünffachten, hatten sie keine Chance mehr.

Lesen Sie den kompletten Kommentar auf taz.de