Monatsarchiv für März 2015

 
 

Honduranisches Fernsehen

Zusammen mit meinem honduranischen Kollegen Claudio Salgado hatte ich am Donnerstag das Privileg, im örtlichen Frühstücksfernsehen aufzutreten und dort die Ursachen und Folgen einer möglichen Staatspleite des kleinen mittelamerikanischen Landes zu diskutieren.

IMG_4756Ich hatte noch nie einen so entspannten TV-Auftritt wie dort. Groß geworden mit einer pünktlich  – und  zwar immer pünktlich – um acht Uhr erklingenden Tagesschau-Fanfare, war ich wirklich früh aufgestanden, um zeitig im Sender zu sein. Zu Beginn unseres Termins um sieben Uhr morgens lief allerdings noch Werbefernsehen, dann sprach jemand ausführlich über die Sorgen des örtlichen Einzelhandels.

Gegen halb acht waren Claudio und ich dran. Vor einer halb angepinselten Pappwand, mit Kameraleuten, die schnell aus der Cafeteria angelaufen kamen, wenn eine Einstellung geändert werden musste – und einem top-vorbereiteten Moderator. Das ist der entschlossen dreinblickende Herr in der Mitte. Gute Fragen, Nachhaken auf den Punkt und selbst die kleinen eingestreuten Zwischenbemerkungen (z.B. über den exzellenten honduranischen Kaffee, den ich freundlich eingeladen wurde zu würdigen) saßen, wie man das in Deutschland nicht so oft findet.

Wie tragisch, dass die Situation des Landes demgegenüber so wenig hoffnungsvoll ist: Seit dem Putsch 2009 eine äußerst bedenkliche Entwicklung zur Diktatur, ausländische Finanzierungen in Schattenbereichen (wie den berüchtigten “Modellstädten” an der Atlantikküste), denen wir mit unseren biederen Berechnungen auf der Grundlage von Weltbankdaten kaum noch gerecht werden können, und eine allseitige Privatisierung des Wenigen, was nach der mühsam erstrittenen HIPC-Entschuldung 2005 einen funktionierenden Staat wenigstens im Ansatz mal ausgemacht hat.

Mit einigen Parlamentarier/innen aus verschiedenen Oppositionsfraktionen haben wir diskutiert, wie man Schuldenerleichterungen sinnvoller mit der Bedingung einer besseren Regierungsführung verknüpfen kann als Weltbank und Währungsfonds das nach 2005 betrieben und der Öffentlichkeit als “Reformen” verkauft haben. Ein Patentrezept gibt es dafür nicht.