Doha-Tagebuch 26.11.: Angenehme Reise und eine böse Überraschung

Knapp sechs Stunden Flugzeit ist Doha am Persischen Golf von Frankfurt entfernt. Quatar Airways ist eine von den aufstrebenden Fluglinien in der Region, die modernste Jets und guten Service sogar in der Holzklasse bieten. Und besonders voll war der Flug – UNO-Konferenz hin oder her – auch nicht.
Komplizierter war es da schon, eine angemessene Bleibe zu finden. erlassjahr kann an der Konferenz nur dank seines Consulting-Vertrags mit dem Global Fund teilnehmen. Der wiederum musste, wie alle, Hotelbetten zentral über das Außenministerium buchen, was dazu führte, dass ich diese Zeilen aus einem Fünf-Sterne-Hotel mit allem Schickimicki schreiben kann. Aber bleiben darf ich hier nur bis übermorgen. Falls dann keine neuen Einträge im Blog mehr erfolgen, bin ich an den Strand umgezogen, weil hier offenbar alles ausgebucht ist…
Im Flugzeug hatte mir Jens Martens vom Global Policy Forum die letzte Version der Abschlusserklärung vom 23.11. gezeigt, und die sah der letzten, die es im Netz gegeben hatte, noch sehr ähnlich. Hier bekam ich nun die Fassung von gestern. Und die zeichnet sich durch einen grotesk veränderten §46 aus. Da, wo zuletzt noch “Oderley Debt Workouts, including arbitration und mediation” standen, heißt es jetzt “we will consider to explore enhanced forms of sovereign debt restructuring mechanisms based on existing framework and principles, including the Paris Club (…) with an inportant/central role for the Bretton Woods Institutions.” Im Klartext: Diejenigen Institutionen, die im Auftrag der Gläubiger 23 Jahre gebraucht haben, um für einen kleine Zahl von Ländern lediglich eine vorläufige Lösung des Schuldenproblems auf die Beine zu stellen, sollen auch künftig die zentralen Akteure sein. Von fairen, umfassenden und transparenten Alternativen ist nicht mehr die Rede. Wer – z.B. von den 13 HIPC-Ländern, denen die Weltbank selbst ein hohes oder mittleres Risiko neuer Überschuldung attestiert – künftig in Zahlungsschwierigkeiten gerät, kann sich auf die nächste Runde der quälenden Verfahren unter der “central role” von Weltbank und Währungsfonds einstellen.
Ein solches Ergebnis wäre ein deutlicher Rückschritt gegenüber dem “Monterrey Consensus”. Ob Ministerin Wieczorek-Zeul, die noch vor einer Woche(siehe Blogeintrag) angekündigt hatte, alles dafür zu tun, dass die Forderung nach einem “Orderley debt Workout” sich auch in der Abschlusserklärung wieder findet, in dem Moment der Verhandlungen gerade draußen war?

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Ein Kommentar zu “Doha-Tagebuch 26.11.: Angenehme Reise und eine böse Überraschung”

  1. Wanderer
    29. November 2008 um 09:29

    Die sich global entwickelnde globale Finanzkrise wird es wohl noch weiter für HIPC Länder erschweren, wege aus der Misere zu finden. Die G8 steckt in der Rezession und der Fokus liegt auf Sanierung des jeweiligen Staatshaushaltes. Für die HIPC Länder geht das mit großer Wahrscheinlichkeit einher mit Rückschritten im Sozialsystem – die Basis für die bisherigen vereinzelten Teilerfolge wird den Ländern entzogen.

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